Bisher sind die wenigsten Stellzenläufer über den Zuckerberg gestiegen. Niemand traute es sich, da auf ihm schon öfters Spigas gesehen wurden. Was Frau Faß und Herr Juckreiz nun taten, war lebensgefährlich. „Ich weiß ohnehin nicht, warum ich mich hab von Ihnen zu dieser Sache überreden lassen.“

Wahrscheinlich weil ich einen charmanten Einfluss auf Sie habe“, meinte Juckreiz grinsend.

Pah“, entgegnete Frau Faß. „Ich habe schon seit einer Ewigkeit keinen Stellzenläufer mehr charmant gefunden. Bilden Sie sich bloß nichts aaaaaaaaaaaaahh.“

Erschrocken drehte Juckreiz sich um. Frau Faß war verschwunden. „Frau Faß“, rief er. „Frau Faß, wo sind Sie denn?“

Nichts. Er ging zurück und sah ein Loch, mitten im Berg. Er sah hinunter, konnte aber nichts erkennen. Das Loch war sehr tief. Um die Öffnung drumherum konnte er sehen, dass hier der Zuckerboden weggebrochen war. Was sollte er jetzt tun? Wenn Frau Faß nun nicht mehr am Leben wäre? Dann aber hörte er ein leises Stöhnen und Ächzen.

Frau Faß!“,rief Juckreiz in das Loch hinein. „Frau Faß, sind Sie da unten?“

Wo soll ich sonst sein?“, kam eine klägliche Stimme zurück. „Helfen Sie mir lieber wieder heraus.“

Aber ich kann Sie nicht sehen. Und außerdem wüsste ich nicht, wie ich Sie daraus holen sollte.“

Na toll“, seufzte Frau Faß. „Ich hatte mir mein Lebensende eigentlich etwas anders vorgestellt. Etwas romantischer.“

Romantischer?“, fragte Juckreiz. "Wollten Sie bei Kerzenlicht sterben?“

Witzbold“, entfuhr es Faß.

Ich will sehen, was ich machen kann“, rief Juckreiz. „Ich bin gleich wieder zurück.“ Er überlegte sich, was er am schnellsten tun konnte, um seine Begleiterin aus dem Loch zu holen? Was immer ihm auch einfallen würde, er musste sich etwas beeilen, da es schon anfing zu dämmern. Nach Hause zu laufen und ein Seil zu holen würde viel zu lange dauern. Dann kam er auf die Idee zu der Spinne zu gehen und ihr ein Bein oder einen Taster herausreißen.

Der Gedanke daran ekelte ihn an, aber er hatte auf die Schnelle keine andere Wahl. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, mit Frau Faß hier hinauf zu gehen. Vielleicht hätte er einfach nur einen Plausch mit ihr halten sollen, dann wäre das jetzt nicht passiert.

Er kam zu der Spiga und stellte sich mit verschränkten Armen überlegend vor ihr hin. Was oder wem dieses Vieh wohl schon alles gefressen haben mochte!

Er grübelte nach, wie er dem toten Tier nun einen dieser Taster oder ein Bein herausreißen konnte.

Die Spiga war einfach zu groß und gewiss würde das nicht einfach werden. Dennoch packte er einen der Fühler und zog an ihm. Zu Juckreiz' Erstaunen, brach der Tentakel schneller ab, als er dachte. Die acht Augen der Spiga schienen ihn von allen Seiten bedrohlich anzusehen.

Der Fühler war bald größer als Juckreiz selber und er hatte Mühe, sich mit dem Riesending abzuplagen und zu der Stelle zurückzuschleppen, an der Frau Faß ins Berginnere gebrochen war.

Ich bin wieder da“, rief Juckreiz.

Wie schön“, sagte Frau Faß. „Hoffentlich ist Ihnen etwas eingefallen, dass Sie mich hier rausbekommen.“

Lassen Sie sich überraschen“, sagte Juckreiz freudig und versuchte, ein Ende des Tentakels ins Loch zu stecken und ihn in die Tiefe sinken zu lassen.

Wie ich diesen Satz hasse“, murmelte Frau Faß.

Haben Sie sich etwas getan?“, fragte Juckreiz, während er den Fühler hinab ließ. „Halten Sie sich daran fest. Ich zieh Sie hinauf.“

30.11.15 06:28, kommentieren

 

 

30.11.15 18:39, kommentieren