Hallo, Herr Juckreiz“, rief die Stimme erneut. „Hier bin ich. Hier hinten.“

Herr Juckreiz sah immer noch nichts. Er schaute sich nach allen Seiten um. Er glotzte nach oben und blickte nach unten, ließ seinen Blick nach links und rechts schweifen. Dann drehte er sich um und sah wieder nach vorn. Aber nichts.

Hier hinten auf dem Gehweg bei dem Schokoladenhaus“, verriet die Stimme. „Du musst schon näher ans Haus kommen, sonst siehst du mich nicht.“

Mit großen Schritten ging er zu dem Schokoladenhaus und blickte nach unten. An der Wand saß etwas. Er konnte es kaum erkennen. „Hast du mich gerufen?“, fragte er. Es war ein kleines Männchen mit einer roten Zipfelmütze. Das Männchen war so klein, dass Juckreiz es kaum erkennen konnte. Lediglich die rote Zipfelmütze war eindeutig zu sehen.

Ja, ich habe dich gerufen“, antwortete das Männchen. Die anderen Stellzenläufer gingen vorüber und schienen das Männchen nicht zu sehen zu können. Juckreiz stand unmittelbar vor der Hauswand. Für die anderen Stellzenläufer sah es so aus, als ob er mit der Hauswand reden führen würde. Er erntete fragwürdige Blicke.

Aber ich kann dich kaum erkennen. Wie kommt es, das du eine so laute Stimme hast? Und woher kennst du meinen Namen?“

Das tut nichts zur Sache“, sagte das Männchen. „Mein Name ist Gedanke. Du hast mich gerufen.“

Juckreiz schüttelte den Kopf. „Ich habe dich nicht gerufen. Das müsste ich wissen.“

Das ist es ja gerade. Du hast mich gerufen, weißt es aber nicht.“

Juckreiz guckte stutzig. „Hä? Ich mache mir gerade über etwas Gedanken, das ich …"

Da haben wir es ja“, unterbrach Gedanke. „Du machst dir über eine Sache intensiv Gedanken. Und damit hast du mich gerufen.“

Und du bist wirklich der Meinung, dass du mir helfen kannst?“

Ich wäre nicht Gedanke, wenn ich das nicht könnte. Du musst mir gut zuhören. Zunächst einmal brauchst du so etwas wie ein geschütztes Gehäuse, das du an dein Flugobjekt anbaust. Dann …“

Woher weißt du, woran ich arbeite?“, wollte Juckreiz wissen.

Ich bin dein Gedanke. Also weiß ich über alles Bescheid, was du machst und was du denkst. Also, zunächst ein Gehäuse. Es sollte ein Sichtfenster haben, damit du sehen kannst, wohin du fliegst.“

Ein Sichtfenster?“, Juckreiz war überrascht, dass Gedanke ihm ein paar Tipps geben konnte.

Du weißt genau, was ich mit Sichtfenster meine. Es ist quasi in deinem Kopf schon am entstehen.“

Ja, aber ich weiß noch nicht genau, wie ich das anstellen kann.“

Denk scharf nach“, sagte Gedanke. „Du bist doch sonst nicht so dumm.“

Juckreiz überlegte kurz, ob er Gedanke hochnehmen und mit zu sich nehmen sollte.

Vergiss es“, sagte Gedanke. Das funktioniert nicht. Sobald du mich anpackst, löse ich mich in Luft auf.“

Du weißt doch gar nicht, was ich will“, sagte juckreiz erstaunt.

Du bist eigentlich nicht so dumm wie du aussiehst, dennoch scheinst du schnell zu vergessen. Nochmal in aller Deutlichkeit. Ich bin dein Gedanke“, schrie Gedanke.

Aber warum hast du dich hier vor die Hauswand gesetzt und bist nicht in meinem Bunker erschienen?“

Wie geht es Ihnen?“, fragte Faß, die plötzlich hinter Juckreiz stand.

Oh, hallo Frau Faß“, begrüßte Herr Juckreiz sie überrascht. Er warf noch einmal einen Blick zur Schokoladenwand und sah, das Gedanke verschwunden war. „Ich habe Sie nicht bemerkt.“

Sie führten ein Selbstgespräch“, stellte Faß fest.

Wenn ich überlege, kann es schon einmal vorkommen, dass ich mit mir selbst rede. Warum? Haben Sie ein Problem damit?“

Nein. Aber es sah nur etwas absurd aus. Sie standen zur Wand und redeten mit ihr.“

Das haben Sie sich eingebildet“, widersprach Juckreiz.

Das habe ich mir nicht eingebildet“, entgegnete Frau Faß. „Sie haben da gestanden und mit der Wand geredet.“

Na und? Ist es etwa verboten, mit sich selber zu reden?“

Nein. Wie geht es Ihnen? Haben Sie den Angriff mit den Ameisen mitbekommen?“

6.12.15 12:26, kommentieren

Seht nur, am Himmel!“, rief eine Stellzenläuferin. Einige andere Stellzenläufer blickten ebenfalls staunend nach oben. Sie sahen zwei riesige weiße Wolken, die sich sehr langsam auf Süßhausen hinab ließen.

Was kann das sein?“, wollte eine andere Stelllzenläuferin wissen.

Das sind bestimmt unsere beiden Götter aus der Zuckerwüste hier“, rief ein anderer.

Die Wolken wurden kleiner, je näher sie Süßhausen kamen. Ihre Formen veränderten sich, und bald sahen sie wie Stellzenläufer aus, die sich ein weißes Gewand übergezogen hatten.

Wer seid ihr?“, wollte jemand wissen.

Ich bin Sonnsua, die Sonnengöttin“, sagte sie. Sie schwebte, wie auch Roman, in der Luft hin und her und schien für die Stellzenläufer beinahe durchsichtig. „Und das hier ist Roman. Ihm habt ihr das zu verdanken, das eure Unterkünfte zerstört sind. Er brachte vier seiner wilden Ameisen mit hierher. Irrtümlicherweise, denn eigentlich wollte er mir einen Besuch abstatten und hatte hier über der Zuckerwüste einen Zwischenstopp gemacht.“

Danke, dass du für mich redest und die Situation schilderst“, äußerte sich Roman leicht frustriert.

Du bekommst deine Erklärungen doch sowieso nicht hin“, fauchte Sonnsua. „Aber lassen wir das mit dem Streiten und sagen ihnen, weshalb wir hierher gekommen sind.“

Du bist die Sonnengöttin?“, ermittelte Matschobst, der sich gerade zu den anderen Stellzenläufern gesellte.

Ganz recht“, gab Sonnsua zu. „Und das hier ist der Regengott“, stellte sie Roman etwas abwertend vor. Roman blickte etwas erniedrigt zu Boden.

Der Regengott?“, fragte einer der Stellzenläufer. „Aber es regnet doch nicht.“


Er bringt nicht immer Regen mit. Ehrlich gesagt, ist er daran Schuld, dass …“

Schweig endlich“, schrie Roman verärgert. „Ich kann für mich selber reden.“

Unsere Streitigkeiten können wir nachher austragen. Wir sind gekommen, um euch beim Aufbauen eurer Häuser zu helfen und das Chaos hier zu beseitigen. Eines können wir leider nicht. Wir können euch eure verlorenen Freunde nicht mehr herbeischaffen.“

Ihr wollt uns helfen“, rief Kampfwurst, der aus einer Ecke kam. „Ich habe schon von euch gehört, habe aber bisher an eurer Existenz gezweifelt.“

6.12.15 11:24, kommentieren